Librido
Kategorisierung
Aberwitzig Anspruchsvoll Kriminell Literarisch Spannend Mord Ironisch Wahnsinn Amoralisch
Gewähltes Buch
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Titel Verzweiflung
Autor Vladimir Nabokov
Verlag Rowohlt Tb.
ISBN-10 3499229064
ISBN-13 9783499229060
Seitenanzahl 306
Erscheinungsjahr 2001
Taschenbuch ja
Großdruck nein
In Librido.at eingetragen 2009-12-07 00:11:30
Beschreibung
"verzweiflung" ist zwar schon vladimir nabokovs sechster roman, stellt aber dennoch gewissermaßen eine premiere dar: nach den vorherigen - mit den einschränkungen zumeist und eher - "konventionell" erzählten romanen hat man es hier erstmals mit einem für nabokov so typischen unzuverlässigen erzähler zu tun, der (natürlich!) auch protagonist dieser geschichte ist. hermann karlowitsch, so der name, ein wenig erfolgreicher schokoladenfabrikant, trifft auf einer geschäftsreise zufällig auf einen landstreicher, der ihm wie aus dem gesicht geschnitten zu sein scheint. betört und überwältigt ob dieses wunders fühlt sich karlowitsch geradezu verpflichtet, unbedingt mit seinem vermeintlichen zwilling in kontakt bleiben zu müssen. anfangs hat er keine konkreten absichten (oder hat er doch?), doch nach und nach erkennt karlowitsch, dass er aus diesem wunder unbedingt profit schlagen muss, und er ersinnt einen teuflischen plan, an dessen ende sich beide, sowohl karlowitsch als auch der arme landstreicher, quasi in luft auflösen ... es ist nicht leicht, einen kurzen abriss über den inhalt des romans zu geben, ohne zu viel zu verraten und somit schon von anfang an das lesevergnügen zu trüben. aber das bestechende an diesem roman ist - wie meist bei nabokov - weniger der inhalt (der ebenso aus einem kriminalroman stammen könnte) als vielmehr der stil: karlowitsch, der diese geschichte aufschreibt, ist neben seiner arroganz und prahlerei nicht nur ein begnadeter, humorvoller und überaus intelligenter erzähler, sondern auch, das steht relativ schnell fest, ein verrückter, dem nicht immer unbedingt zu trauen ist. er lässt bewusst oder unbewusst einzelheiten außen vor, verdreht tatsachen und - das vor allem - kann die realität nicht immer richtig einschätzen oder interpretieren. so erfährt der leser die geschichte also ausschließlich aus der sicht eines wahnsinnigen, der einen so natürlichen anschein erweckt wie der sprichwörtliche wolf im schafspelz. karlowitsch ist damit in bester gesellschaft anderer nabokovscher erzähler, wie charles kinbote aus fahles feuer und, vor allem wegen dem ähnlichen humor und der immer wieder zur schau gestellten intelligenz, selbstverständlich auch lolitas humbert humbert. "doch", so nabokov, "gibt es im paradies einen grünen pfad, wo humbert einmal im jahr zur dämmerzeit lustwandeln darf; die hölle dagegen wird hermann nie auf bewährung verlassen." und das sollte man nun wirklich als anreiz und empfehlung verstehen, das buch zu lesen.
Eingetragen von zorcatra

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