Librido
Kategorisierung
Drastisch Ernst Gewalt Kriminell Kritisch Kurz Realistisch Spannend Überraschend Erzählung 15-16 Deutschland / Spanien
Gewähltes Buch
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Titel Schuld
Autor Ferdinand von Schirach
Verlag Piper Taschenbuch
ISBN-10 3492273777
ISBN-13 9783492273770
Seitenanzahl 208
Erscheinungsjahr 2012
Taschenbuch ja
Großdruck nein
In Librido.at eingetragen 2012-04-20 16:08:28
Beschreibung
Ferdinand von Schirach, Strafverteidiger mit renommierter Kanzlei in Berlin, schildert in seinem zweiten Erzählband "Schuld" erneut reale Fälle aus dem anwaltlichen Alltag, erzählt Geschichten aus der juristischen Praxis, die sich zumindest in ihren Grundzügen auch in der Realität so abgespielt haben. Das ist spannend. Und unterhaltsam. Aber es ist viel mehr als das. Denn von Schirach erzählt nicht einfach nur kuriose und absurde, in irgendeiner Form spektakuläre Fälle, sondern all seine Geschichten führen uns etwas vor Augen: den oftmals unauflösbaren Widerspruch zwischen Recht und Gerechtigkeit, zwischen Recht und Rechtsempfinden. Von Schirachs Geschichten führen uns an die Grenzen und in die Grenzbereiche unseres Rechtssystems, dorthin, wo moralisch-sittliches Empfinden und im Gesetz verankerte Gebote, Verbote und Regeln sich konträr gegenüber stehen; dorthin, wo sich die Unzulänglichkeiten unseres Rechtssystems in aller Deutlichkeit offenbaren - und davon ausgehend stellt sich unwillkürlich die Frage nach der Schuld. Nach der Schuld der Täter, die wegen Verfahrensfehlern oder anwaltlicher Cleverness freisgesprochen werden müssen; und auch nach jener der Anwälte, die dem Täter seinen Freispruch erst ermöglicht haben. Die Erzählungen machen also deutlich, was unser Rechtssystem leisten kann, insbesondere aber auch, was es nicht leisten kann, an welchen Stellen es versagt oder versagen muss. Alle Geschichten schildern uns diese Problematik, aber jede einzelne tut dies aus einem anderen Blickwinkel. Und einige der Geschichten zählen zweifelsohne zu den beeindruckendsten Kurzgeschichten, die in den letzten Jahren in deutscher Sprache veröffentlicht wurden. Denn von Schirach ist ein überaus beachtenswerter Erzähler. Das Geheimnis seines Erzählstils heißt Reduktion. Bei allem philosophischen Gehalt seiner Stories beschränkt er sich doch nur auf die wesentlichen Konflikte und Gedanken. Diese schildert er in meist kurzen Hauptsätzen, prägnant und präzise, ohne jede Weitschweifigkeit. Er erspart uns ästhetische Ergüsse, er lässt aus und spart ein, was ihm unnötig erscheint - ohne dass die Geschichten an erzählerischer Dichte verlieren würden. Sein Stil ist leicht und flüssig zu lesen, allerdings keineswegs simpel. Im Gegenteil, sein raffinierter Lakonismus und seine Schnörkellosigkeit erinnern an keinen Geringeren als Ernest Hemingway, den Meister des sprachlichen Understatements.
Eingetragen von Sigrid

Gelesen von 8.4.2012 bis 12.4.2012

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